T i p s v o m S p o r t a r z t
Die
Kniescheiben-
luxation
Die Verrenkung (= Luxation) der Kniescheibe ist eine Art der Sportverletzung, die häufig unterschätzt wird. Dabei ist sie gerade im Fußball, wo ein Tritt gegen die Kniescheibe schnell zum Herausspringen derselben führen kann, keine Seltenheit.
Bei den Kniescheibenverrenkungen wird eine Unterscheidung
zwischen den rein unfallbedingten Luxationen von den mehr anlagebedingten
Luxationen getroffen.
Bei den anlagebedingten (habituellen) Verrenkungen findet man eine relativ
gerade ausgebildete Kniescheibe und ein wenig ausgeprägtes Kniegleitlager. Bei
diesen Formveränderungen kann es zu einer Kniescheibenverrenkung bei nur
leichter Gewalteinwirkung auf die Kniescheibe kommen. Diese Verletzung betrifft
besonders häufig Jugendliche.
Unfallereignis
Die rein unfallbedingten Verrenkungen treten fast nur dann
auf, wenn eine große Krafteinwirkung direkt auf die Kniescheibe einwirkt.

Besonders häufig kommt es zu dieser Art der Kniescheibenluxation dann, wenn der
Sportler sein Bein relativ weit gestreckt hat, die Oberschenkelmuskulatur wenig
angespannt ist und ein Tritt gegen die Innenseite der Kniescheibe erfolgt. Bei
solch einem Unfallereignis kann es passieren, daß die Kniescheibe außen aus
dem Gleitlager herausspringt. Es tritt dann ein starker Schmerz an der
Innenseite des Kniegelenkes auf und das Kniegelenk wird meistens in einer
leichten Beugestellung gehalten. Relativ schnell kommt es bei diesen Patienten
zu einer starken Schwellung im Kniegelenk.
Diagnose
Bei der ersten Untersuchung findet der Arzt gelegentlich noch die verschobene Kniescheibe vor, so daß die Form des Kniegelenkes stark unnatürlich erscheint. Meistens springt die Kniescheibe, wenn das Knie in eine Streckstellung gebracht wird, in ihr Gleitlager zurück. Desweiteren findet man bei der Untersuchung einen starken Druckschmerz im Verlauf des Innenrandes der Kniescheibe, da es hier zu einer Zerreißung der Bandkapselstrukturen gekommen ist. Aufgrund der starken Schmerzen läßt sich das Kniegelenk nur wenig bewegen. Zur ersten Untersuchung gehört natürlich auch das Anfertigen eines Röntgenbildes, um mögliche Knochenbrüche oder Knochenabsplitterungen zu diagnostizieren. Nicht selten kommt es bei Kniescheibenverrenkungen zu einem herauslösen eines Knorpel/Knochenstückes aus der Rückseite der Kniescheibe.
Behandlung
Auf jeden Fall sollte eine Arthroskopie des verletzten Kniegelenkes durchgeführt werden, um die Diagnose endgültig zu sichern und eventuell kleine, abgesplitterte Knorpelpartikel aus dem Kniegelenk herauszuspülen. Sollten größere Knorpel/Knochenteile von der Rückseite der Kniescheibe abgesprungen sein, so versucht der Arzt, diese wieder an ihrer ursprünglichen Stelle zu befestigen. Häufig sind die abgelösten Teilchen jedoch so klein, daß dies nicht gelingt. Bei der ersten Kniescheibenverrenkung kann es durchaus ausreichend sein, lediglich eine Ruhigstellung für bis zu sechs Wochen in einer Gipshülse oder einer Orthese (Führungsschiene) zu gewährleisten. Sicherer ist jedoch das Durchführen einer festen Naht der zerrissenen Band/Kapselstrukturen an der Innenseite der Kniescheibe. Auch nach erfolgter Naht der zerrissenen Strukturen muß jedoch eine Ruhigstellung für bis zu sechs Wochen erfolgen.
Rehabilitation
Da es nach einer längeren Ruhigstellung grundsätzlich zu
einem starken Muskelschwund kommt, ist eine umfangreiche Rehabilitation
erforderlich. Diese besteht in intensiven krankengymnastischen Übungen, um die
Beuge- und Streckfähigkeit des Kniegelenkes wiederherzustellen. Gleichzeitig
ist es auch wichtig, die Muskulatur zu trainieren, und hier ganz besonders den
Muskel auf der Innenseite des Oberschenkels (Musculus vastus medialis), da
dieser Muskel dafür verantwortlich ist, die Kniescheibe auf der Innenseite zu
stabilisieren.
Oft wird die volle Sportfähigkeit nach ca. acht bis zehn Wochen wieder
erreicht.