T i p s v o m S p o r t a r z t
Knöchel-
und
Unterschenkelbrüche
Ein
Beitrag von Bernd LasarzewskiBrüche im Bereich des Außenknöchels sind die häufigsten Frakturen ( = Brüche ) im Fußballsport. Ähnlich wie bei den Zerreißungen der Außenbänder am Sprunggelenk können diese Brüche im Bereich des Knöchels durch ein anscheinend harmloses Umknicken entstehen.
Die Fraktur des Innen- und Außenknöchels tritt meistens nur
bei einem massiveren Unfallereignis auf.
Speziell beim Umknicken im Sprunggelenk nach innen, wird die Knöchelgabel so
auf Spannung gesetzt, daß es zu einem Bruch im Bereich des Außen- und Innenknöchels
kommen kann.
Frakturen im Bereich des mittleren Unterschenkels entstehen im Fußballsport
fast immer durch eine direkte Gewalteinwirkung (Preßschlag).
Die hohen Unterschenkelbrüche (Tibiakopffrakturen) entstehen meistens, wie auch
die Risse des vorderen Kreuzbandes, beim starken Verdrehen im Bereich des
Kniegelenkes bei fest fixiertem Fuß auf dem Rasen oder bei einer massiven
Gewalteinwirkung eines Gegenspielers gegen die Außenseite des Kniegelenkes oder
des Unterschenkels.
Symptome und Diagnose
Liegt ein Bruch im Bereich des Sprunggelenkes oder des
Unterschenkels vor, ist es dem Spieler aufgrund der Schmerzen nicht mehr möglich
das verletzte Bein zu belasten.
Sehr schnell tritt dann auch eine starke Schwellung sowie ein starker Bluterguß
im Bereich der Verletzung auf.
Sollte der Verdacht bestehen, daß ein Bruch vorliegt, muß der Sportler sofort
in ein Krankenhaus gebracht werden.
Hierbei wird die Diagnose durch eine eingehende Untersuchung des verletzten
Bereichs sowie durch eine Röntgenaufnahme gestellt. Aufgrund der Röntgenaufnahme
läßt sich normalerweise eine klare Diagnose stellen, so daß weitere
Untersuchungen, zum Beispiel Kernspin- oder Computertomographie nicht unbedingt
erforderlich sind.
Therapie
In Abhängigkeit von der Lokalisation und der Verschiebung
der einzelnen Knochenabschnitte gegeneinander wird die beste Therapie
festgelegt. Sollten Knochenfragmente nicht verschoben sein, ist es durchaus möglich
eine Gipsbehandlung durchzufahren. In den meisten Fällen ist es jedoch
notwendig, daß die Knochenbrüche im Bereich des Unterschenkels und des
Sprunggelenkes, gerade bei jungen Sportlern, operativ versorgt werden.
Die Sprunggelenkbrüche werden fast immer mit einer Platte und Schrauben
stabilisiert.
Zunächst wird der Bruch eingerichtet, anschließend wird eine Metallplatte
entsprechend der Form des Außenknöchels anmodelliert und diese wird dann mit
Schrauben am Knochen fixiert. Sollte auch ein Bruch des Innenknöchels
vorliegen, wird dieser meistens, nachdem er gerichtet wurde, mit zwei Schrauben
oder einem Draht und einer Schraube stabilisiert.
Die Brüche
im Bereich des mittleren Unterschenkels werden heutzutage sehr häufig mit Marknägeln
operativ versorgt.
Hierfür wird ein langer Nagel unterhalb des Kniegelenkes in den
Unterschenkelknochen eingebracht und anschließend oberhalb und unterhalb des
Bruches mit zwei Schrauben fixiert.
Die Versorgung der hohen Unterschenkelbrüche (Tibiakopffrakturen) bedürfen
einer ganz speziellen Aufmerksamkeit, da bei diesen Brüchen meistens die
Gelenkfläche des Kniegelenkes verschoben ist.
Gerade bei dieser Bruchform ist es sehr wichtig, die Gelenkflächen des
Kniegelenkes wieder exakt herzustellen.
Unter arthroskopischer Sicht sollte dieser Bruch gerichtet werden und häufig
ist es auch nötig zusätzlich entnommene Knochen (zum Beispiel aus dem
Beckenkamm) in den oberen Unterschenkelknochen zur zusätzlichen Stabilisierung
einzubringen. Bei den Tibiakopffrakturen wird die weitere Therapie durch die Größe
der abgebrochenen Knochenfragmente bestimmt.
Entweder stabilisiert man den Tibiakopf mit zwei Schrauben oder bei einer
ausgedehnteren Knochenverletzung verwendet man eine Abstützplatte, welche mit
mehreren Schrauben (siehe Foto) im Unterschenkel fixiert wird.
Heilungsverlauf und Komplikationen
Nach der operativen Versorgung der Sprunggelenkbrüche wird
dem Patienten gestattet nach einigen Tagen mit Bewegungsübungen zu beginnen.
Ist es
gelungen den Bruch mit Platten und Schrauben gut zu fixieren (gelingt nur, wenn
keine Trümmerbrüche vorliegen) dann darf das operierte Bein unter Verwendung
von zwei Unterarmgehstützen mit 10 bis 20 Kilogramm Körpergewicht belastet
werden. Nach sechs Wochen erfolgt dann eine weitere Röntgenkontrolle und sollte
der Knochenbruch eine gute Durchbauung zeigen, gestatten wir dem Patienten die
zunehmende Belastung, so daß zwischen der sechsten und achten Woche die volle
Belastung wieder erreicht ist.
Einen ähnlichen Heilungsverlauf finden wir auch bei Unterschenkelbrüchen,
welche mit einem Marknagel versorgt wurden.
Bei Brüchen des oberen Unterschenkels (Tibiakopffrakturen) gilt der Grundsatz:
Früh bewegen, jedoch spät belasten.
Bis zu sechs Wochen sollte bei dieser Bruchform das verletze Bein entlastet
werden.
In Abhängigkeit von den dann durchgeführten Röntgenkontrollen gestattet man
eine langsam steigernde Belastung des verletzten Beines, so daß nach zirka acht
bis zehn Wochen die volle Belastung erreicht wird.
Frühzeitig muß bei allen diesen Verletzungen mit Bewegungsübungen unter
krankengymnastischer Aufsicht sowie mit Lymphdrainagen begonnen werden.
Speziell wenn die durchgeführten Röntgenkontrollen nach sechs Wochen zeigen,
daß die Brüche verheilt sind, muß mit forderten Bewegungsübungen für die
verletzten Strukturen begonnen werden.
Komplikationen
Wenn die Sprunggelenkbrüche auch meistens gut einzurichten
sind und auch relativ schnell und gut verheilen, so muß hier peinlichst genau
darauf geachtet werden, ob das Syndesmosenband (Bandverbindung zwischen Waden-
und Schienbein) gerissen ist, denn dann muß ggf. eine zusätzliche Fixierung
zwischen Waden- und Schienbein erfolgen. Sollte der Riß des Bandes übersehen
worden sein, folgt daraus häufig ein frühzeitiger Verschleiß, da zuviel Spiel
in der Knöchelgabel vorliegt.
Bei den Unterschenkelbrüchen im mittleren Drittel ist eine der gefürchtetsten
Komplikationen die Verkürzung der Achillessehne sowie der hinteren Kapsel des
oberen Sprunggelenkes mit Ausbildung von Krallenzehen und einer
Bewegungsbehinderung.
Bei den Tibiakopfbrüchen besteht die gefürchtetste Komplikation darin, daß
sich die Gelenkfläche des Kniegelenkes nicht wieder exakt einstellen läßt
oder eingestellt worden ist, denn dann folgt ebenfalls ein frühzeitiger
Verschleiß im Bereich des Kniegelenkes.