T i p s v o m S p o r t a r z t
Muskelverletzungen II
Ein
Beitrag von Bernd Lasarzewski
Im zweiten Teil unserer Serie über Verletzungen
der Muskulatur beschäftigen wir uns mit den schwerwiegenderen Blessuren, deren
Diagnose, Therapie und Vorbeugung.
Muskelprellung
Diese Verletzung (zum Beispiel Pferdekuß) kennt jeder. Das
große Problem hierbei ist, daß es zu einer Blutung entweder in den Muskel
selber oder in die einzelnen Muskellogen kommen kann. Aus diesem Grund ist es
erforderlich, den verletzten Bereich sofort zu kühlen, oder besser noch mit
einer in Eiswasser eingelegten Kompressionsbinde - eventuell Schaumstoffpolster
- zu behandeln. Durch diesen von außen einwirkenden Druck und die Kühlung
entsteht meistens nur ein geringerer Bluterguß.
Wichtig bei der Therapie dieser Verletzung ist es, Einrisse in die Muskulatur,
welche ja auch durch die stumpfe Gewalteinwirkung auftreten können, auszuschließen
oder gegebenenfalls wie einen Muskelfaserriß zu behandeln. Ist es durch die
Muskelprellung lediglich zu einem Bluterguß gekommen, sollte eine Sportpause
bis zum Abklingen der Schmerzen eingehalten werden, und während dieser Zeit
eine physikalische Therapie mit Strombehandlungen und Lymphdrainagen durchgeführt
werden.
Muskelzerrung, -faserriß und -riß
Überdehnungen der Muskulatur sowie Einrisse in die Muskulatur treten gehäuft bei hoher Schnellkraftbelastung der Muskulatur auf, z.B. beim Sprint und Sprung. Sehr oft betroffen sind Muskeln, welche zwei Gelenke, wie zum Beispiel die Wadenmuskulatur oder die Streck- und Beugemuskulatur des Oberschenkels, überspannen.
Verschiedene Einteilungsgrade
Bei diesen Verletzungsarten gibt es zwei verschiedene
Einteilungsgrade: Zum einen benutzt man die Begriffe Muskelzerrung,
Muskelfaserrisse und Muskelriß, zum anderen gibt es auch die Bezeichnung des
Muskelfaserrisses ersten Grades (Zerrung), den Muskelfaserriß zweiten Grades (Muskelfaserriß)
und den Riß dritten Grades (Muskelriß). Meist wird die erstgenannte Einteilung
bevorzugt.
Bei einer Zerrung kommt es zu einer Überdehnung der einzelnen Muskelpartien,
wobei noch keine Kontinuitätstrennung erfolgt. Bei einer solchen Verletzung
kommt es zu einem plötzlich einsetzenden Schmerz im Muskel, welcher jedoch oft
nach einer kurzen Ruhephase abklingt und der Sportler häufig noch für eine
kurze Zeit versucht, weiterzumachen. Unter Belastung nehmen die Schmerzen jedoch
wieder zu, so daß die Belastung eingestellt werden muß.
Diagnose
Bei einem Muskelfaserriß oder einem Muskelriß kommt es zu
einem sehr starken stechenden Schmerz, welcher die weitere Belastung unmöglich
macht. Bei einem Faserriß trennen sich nur einige Fasern voneinander, während
es beim Muskelriß zu einer kompletten Trennung des ganzen Muskels kommt.
Die erste Behandlung bei allen drei Verletzungen besteht zunächst in der Kühlung,
um einen aufgetretenen Bluterguß relativ gering zu halten. Die genaue
Einteilung der Verletzung geschieht dann anhand der Untersuchung, bei welcher
man bei den Faserrissen oft eine "Delle" im Bereich der Verletzung
tastet. Beim Muskelriß läßt sich dagegen meist eine größere "Lücke"
im verletzten Bereich tasten.
Therapie
Bei der Muskelzerrung besteht die weitere Therapie, nachdem
zunächst gekühlt wurde, in physikalischen Maßnahmen mit Strombehandlungen
sowie Lymphdrainagen zum Abtransport des entstandenen Blutergusses. Eine
Sportpause muß meistens von fünf bis zehn Tagen eingehalten werden. Bei den
Muskelfaserrissen sollte nach zunächst durchgeführter Kühlung versucht
werden, mit Tapeverbänden die auseinandergezogenen Muskelpartien wieder anzunähern.
Auch bei dieser Verletzung sollte, nachdem die erste Heilung eingetreten ist,
eine physikalische Therapie mit Strombehandlungen und Lymphdrainagen
angeschlossen werden. Bis ein Muskelfaserriß auskuriert ist und die
Muskelpartie wieder voll belastet werden kann, vergehen zwei bis sechs Wochen.
Bei einem größeren Muskelriß erfolgt auch zunächst die Kühlung und als
zweiter Schritt wird ebenso wie beim Faserriß versucht, die Muskelpartie per
Tapeverband wieder einander anzunähern, um den sich bildenden Narbenbereich
relativ klein zu halten. Manchmal kann es jedoch auch nötig sein, die
gerissenen Muskelpartien operativ wieder einander anzunähern. An weiterer
Behandlung kommt auch bei dieser Verletzung die oben beschriebene physikalische
Therapie zur Anwendung. Bei kompletten Muskelrissen ist von einer Sportpause von
sechs Wochen und mehr auszugehen. Die Therapien der Faserrisse bzw. Muskelrisse
zielen alle darauf ab, den entstehenden Narbenbereich so klein wie möglich zu
halten. Als ausgeheilt kann eine Muskelverletzung erst dann gelten, wenn unter
langsam beginnender sportlicher Belastung völlige Schmerzfreiheit besteht. An
Wettkämpfen sollte ein Sportler erst dann wieder teilnehmen, wenn er nach überstandener
Verletzung im Training (langsames Steigern der Trainingseinheiten) völlig
beschwerdefrei ist, das heißt, auch kein Druck- und Dehnungsschmerz mehr
vorhanden ist.
Mögliche Komplikationen
Die häufigsten Komplikationen nach Muskelverletzungen sind größere Narbenbildungen (bei nicht ausreichend behandelten Muskelfaserrissen und Muskelrissen) sowie die Entstehung von Verkalkungen im Bereich der Verletzungen. Zu diesen beiden Veränderungen kommt es meistens dann, wenn ein Muskelfaserriß oder Muskelriß nicht erkannt oder behandelt wurde, oder wenn ein Sportler zu früh (noch unter Schmerzen) das Training oder den Wettkampf wieder aufgenommen hat.
Empfehlungen der Sportmediziner
Um das Verletzungsrisiko der Muskulatur so gering wie möglich zu halten, ist es sehr wichtig, sich vor jeder größeren sportlichen Belastung genügend warm zu machen und genügend Dehnübungen für die einzelnen Muskelpartien durchzufahren. Eine ausgewogene Ernährung sowie speziell eine höhere Flüssigkeitszufuhr während der intensiven sportlichen Belastung ist ebenfalls sehr wichtig.