Ursachen
Die Ruptur des vorderen Kreuzbandes tritt nahezu immer
durch ein akutes Unfallereignis auf. Lediglich bei deutlichen Arthrosen kann es
zu einem langsamen Auffasern des vorderen Kreuzbandes kommen.
Die meisten Kreuzbandrisse treten beim Fuß- und Handball
auf.
Typische Unfallereignisse sind der Presschlag beim Fußball,
ein Verdrehen des Kniegelenkes in einem Zweikampf, die unkontrollierte Landung nach einem Kopfball (mit gleichzeitigem
starken Körperkontakt durch einen Gegenspieler) oder eine unkontrollierte
Landung nach einem Sprungwurf beim
Handball.
Untersuchung
Der Untersuchung wird zunächst wie bei einem Meniskusschäden durchgeführt. Eine Röntgenkontrolle
erfolgt zum Ausschluß von knöchernen Verletzungen.
Liegen diese nicht vor, so erfolgt die weitere Untersuchung
des Kniegelenkes. Diese beinhaltet die Überprüfung der Beweglichkeit, der
seitlichen Aufklappbarkeit, die Kniescheibenuntersuchung, die Überprüfung
einer Ergußbildung und ganz speziell die Überprüfung der vorderen Schublade,
des Lachmann-Zeichens und des Pivot -Shift Zeichens.
Zur Untersuchung gehört durchaus auch die Punktion des
Gelenkes, da bei manchen Patienten die körperliche Untersuchung aufgrund der
Schmerzen nicht ergiebig ist. Findet sich ein blutiger Erguß so sollte sich möglichst
bald eine Operation anschließen.
Diagnose
Sollte die Diagnose der vorderen Kreuzbandruptur nach der körperlichen
Untersuchung nicht eindeutig zu stellen sein, so kann eine Kernspinuntersuchung
hilfreich sei. Diese sollte jedoch nur durchgeführt werden, wenn man sich bei
der körperlichen Untersuchung nicht sicher, ist die richtige Diagnose gestellt
zu haben.
Therapie
Die Therapie besteht in der operativen Versorgung des
gerissenen Kreuzbandes. In der ganz überwiegender Anzahl der Verletzungen muß
das vordere Kreuzband plastisch ersetzt werden.
Hierzu stehen mehrere Verfahren zur Verfügung:
- das mittlere Drittel der Patellasehne
- die Semitendinosussehne
- die Patellasehne einer verstorbenen Person
Nach erfolgter Arthroskopie des Gelenkes und der Sanierung
von Begleitverletzungen werden die zerrissenen Kreuzbandanteile mit
einem rotierenden Messer (Shaver) entfernt.

Arthroskopie
des Kniegelenkes
Zerissenes Kreuzband
Anschließend erfolgt die Entnahme der vorgesehenen Sehne.
Links auf dieser Seite sehen Sie jeweils Bilder die zu dem
Ersatz des Kreuzbandes mit der Patellasehne gehören und rechts Bilder die zu
dem Ersatz mit der Semitendinosussehne gehören.

Entnahme
der Patellasehne
Entnahme der Semitendinosussehne
Nachdem die entsprechende Sehne entnommen wurde, wird sie
zur Implantation vorbereitet. Dieser operative Schritt ist bei der Verwendung
beider Sehnen nahezu gleich.

Die Patellasehne wird vorbereitet Die Semitendinosussehne wird auf dem Spannbrett
vorbereitet
Nachdem die Sehne zur Implantation vorbereitet wurde, wird
über ein Zielinstrument das Bohrloch in den Unterschenkelkopf gebohrt.

Einsetzen des Zielinstrumentes
Zielgerät im Kniegelenk

Aufbohren des Tibiakopfes
Ist das Aufbohren des Tibiakopfes fertig, erfolgt das
Festlegen des femoralen Bohrloches mit einem Zielhaken und Pull-out Draht.
Anschließend wird der Oberschenkel mit einem zuvor festgelegtem Bohrer
aufgebohrt.

Femoraler Zielhaken
Aufbohren des
Femurs
Durch das untere Bohrloch erfolgt dann mit speziellen
Instrumenten das Hineinziehen der vorbereiteten Sehne in das Kniegelenk und
weiter bis in das obere Bohrloch.

Patellasehne
Semitendinosussehne

Eingezogene Patellasehne
Eingezogene Semitendinosussehne
Zum Fixieren der Patellasehne stehen Schrauben oder Krampen
zur Verfügung.
Ich bevorzuge die Press-Fit Technik, bei welcher der obere
Anteil der Sehne im oberen Bohrloch eingestößelt wird und sich dort fest
verkeilt. Im Unterschenkel verwende ich zum Verblocken meistens spezielle
Schrauben.
Die Semitendinosussehne wird über kräftige Fäden und
eine spezielle Platte und Krampen oder Knöpfen fixiert.
Nachdem ein bis zwei Drainagen in das Knie und den weiteren
Wundbereich eingelegt wurden, erfolgt der Hautverschluß mit Intrakutannähten
oder mit Hautklammern.

Operationsergebnis nach Patellasehnenplastik
Operationsergebnis nach
Semitendinosusplastik
Direkt nach der Operation wird das Kniegelenk in einer
Manschette in leichter Beugestellung ruhiggestellt. Anschließend erfolgt eine Röntgenkontrolle
zur Dokumentation der durchgeführten Operation.
Spezielle Operationstechniken am vorderen Kreuzband, wie
z.B. die Kreuzbandnaht, die Kreuzbandrefixation bei femoralem Ausriß, die
Augmentation (Verstärkung) mit einer Beugesehne oder auch der Ersatz mit speziellen Sehnen
werden von mir hier nicht beschrieben, da diese recht selten durchgeführt
werden und den Rahmen dieser Erläuterungen sprengen würden.
Nachbehandlung
Nach erfolgtem Ersatz des vorderen Kreuzbandes wird direkt
nach dem ersten Vebandswechsel mit der Physiotherapie begonnen, zunächst auf
der Motorschiene, später denn auch passiv und aktiv mit der Hilfe der
Krankengymnastin.
Bis zur 4. Woche nach der Operation ist eine Beweglichkeit
von der vollen Streckung (0°) bis zum rechten Winkel (90°) gestattet. In
dieser Zeit darf das operierte Bein nur mit dem halben Körpergewicht
belastet werden. Nach der 4. Woche darf die Belastung sowie die Beugung
gesteigert werden, so dass in der 6. Woche nach der Operation die volle
Belastung und auch ggf. die volle Beweglichkeit erreicht ist. Eine Überstreckbarkeit
des operierten Kniegelenkes ist allerdings nicht gewünscht, da es hierdurch zu
Lockerungen des implantierten Bandes kommen kann.
Nach der 6. Woche wird mit einer intensiven ambulanten
Rehabilitation begonnen
Erst nach 6 Monaten sollte mit Sportarten die Körperkontakt
bedürfen (Fußball, Handball usw.) begonnen werden.